Fair Trade Weinreise Mendoza 2011
Anfang Dezember waren wir einige Tage in der Weinbauregion Mendoza in Argentinien. Wir wollten die aktuellen Weine probieren und uns informieren über den Verlauf der von uns angeregten Fair Trade Zertifizierungen und die Verwendung der Prämien vor Ort. Besonders interessierte uns die direkte Information durch die Arbeiter und das Organo Mixto Komitee, das die Prämien verwaltet. Dabei wurde uns deutlich, dass es mit der Zertifizierung allein nicht getan ist. Wir hatten schon manchmal den Eindruck, dass viele Anforderungen formal, ja bürokratisch waren und dass dabei vergessen wird, dass es ganz entscheidend darum geht, den Arbeitern und kleinen Produzenten faire Entwicklungschancen zu geben. Wir werden daraus lernen und die Prämien, die wir direkt an die Produzenten zahlen, auch genutzt werden, um Arbeiter und Kleinstproduzenten zu unterstützen, Ihre Interessen zu erkennen und durchzusetzen. Immerhin hatten wir dieses Mal etwa 18.400 Peso im Gepäck, die wir den Komitees überreichen konnten. Hier noch etwas mehr zu den einzelnen Weingütern, den ausführlichen Bericht lesen Sie auf http://www.fair-wein.de/FTreisen
Inal - Otra Vida (Trivento)
Noch mal zur Erinnerung: Trivento kauft seine Trauben für die Otra Vida Weine bei Inal ein. Dabei muss Trivento für jedes Kilo Trauben Prämien zahlen, umgerechnet 5 €-cent Prämie pro Flasche. Da wir entschieden haben, höhere Prämien zu zahlen, bringen wir bei jedem Besuch bei Inal die restliche Prämie von den verkauften Flaschen mit. Diesmal waren es gute 1500 US Dollar. Auswirkungen durch die Fair Trade Reglementierungen: Ein geregeltes Arbeitsverhältnis mit Krankenversicherung und unter Einhaltung von Feiertagen und Ferien, feste Behausungen für die Saisonarbeiter, keine Schwarzarbeit und keine Mithilfe von Kindern während der Ernte sind wichtige Faktoren, die den Lebensstandard der Arbeiter und ihrer Familien in der ländlich geprägten Region von Lavalle, nordöstlich von Mendoza, verbessern. Auswirkungen durch die Prämie: Vor drei Jahren bei unserem ersten Besuch planten die Arbeiter eine Gesundheitsstation für die Gemeinde von 5000 Menschen. Leider ist im folgenden Jahr die Geschäftsbeziehung mit Trivento in die Brüche gegangen. Seit zwei Jahren werden keine Trauben mehr an Trivento verkauft. Daher sind wir die einzigen, die noch Prämien auszahlen. Das Kapital, das eigentlich für den Aufbau der Gesundheitszentrum genutzt werden sollte, schrumpft, denn den Arbeitern werden Medikamente für Ihre eigene Gesundheitsversorgung bezahlt und Stipendien vergeben. Damit die Gesundheitsstation gebaut werden kann, muss wieder ein großer Traubenabnehmer gefunden werden. Vorerst unterstützen wir weiterhin mit dem Otra Vida 2009 die Arbeiter von Inal. Bei Ihrer Gesundheitsversorgung und der Ausbildung der Kinder.
Soluna – Bodega Furlotti, Vinas de la Solidaridad
Auswirkungen der Fair Trade Kriterien für kleine Produzenten: Inzwischen ist der Mindestpreis von FloCert in Argentinien nicht mehr von großer Bedeutung, denn die Preise für die Trauben sind in den letzten zwei Jahren je um 100% gestiegen. Der Mindestpreis ist hauptsächlich eine Versicherung, falls eine Krise auftritt und der Preis unerwarteterweise dramatisch fällt. Die wichtigen Faktoren für die Produzenten sind die rechtzeitige Bezahlung und die regelmäßige Abnahme von Trauben. Immer wieder berichten die Traubenproduzenten über schlechte Erfahrungen mit den großen Bodegas und sind glücklich jetzt eine geregelte Abnahme ihrer Trauben zu haben. Im Laufe des Nachmittags erfahren wir auch, dass die fachliche Beratung von Maria Laura, Agraringenieurin, für viele der kleinen Winzer von großer Wichtigkeit ist, da sie zum ersten Mal diese Art der Begleitung der Arbeit erfahren. Verwendung der Prämien – Beispiele Die Prämie, die der Kooperative Vinasol gezahlt wird, wird unter den Produzenten aufgeteilt und kann jeder nach eigenem Bedarf nutzen. Vinasol hat aber vereinbart, dass für alle Arbeitskleidung und Energiesparlampen gekauft werden und dass es einen Notfallfond gibt, über dessen Verwendung gemeinsam entschieden wird. Dieses Jahr schauen wir bei unserem Besuch von Soluna bei Miguel und Marta Bordognon vorbei. Im Jahr 2010 wurde Ihnen mit dem Notfallfond ein Maultier gekauft. Die Prämie von den Trauben 2010 haben beide für Stöcke für die Reben, Futter für das Maultier und den Ausbau eines Schuppens investiert, wo sie ihre Werkzeuge und Chemikalien lagern können, so dass diese nicht im Türbereich des Hauses abgestellt werden. Notfall-Prämien-Auschüttung im Jahr 2011: Operation für Oscar. Oscar Bordognon hatte einen Tumor an der Niere. Um diesen Tumor zu operieren, ist die Notfall-Prämie 2011 ausgezahlt worden Weitere Verwendung der Prämien im Jahre 2011: Die Dorf-Schule erhielt eine Spende von 4000 Pesos. Mit diesem Geld wurde die Bibliothek repariert und außerdem ein neuer Fotokopierer gekauft.
Cinco Sentidos – im Zertifizierungsprozess Finca Algarve
Cinco Sentidos, ist zugleich unser ganzer Stolz – denn die Weine sind toll – aber sie lassen mit der Zertifizierung auf sich warten. Die Finca ist in Familienbesitz, Manuel Valdez macht den Verkauf, Horacio Moi ist der Patron, also der Chef auf der Bodega. Und da gibt es immer viel zu tun, und die vielen technischen Details im Regelwerk von Flo Cert erschlagen in ihrer Fülle. So wird vieles auf später verschoben. Dazu muss man aber auch sagen, dass diese Bodega gute Arbeitsbedingungen bietet, die Arbeiter seit langem bei der Bodega arbeiten und, so ergaben es die Gespräche, im Großen und Ganzen sehr zufrieden sind,. Die Erste Evaluation durch Flo Cert ist abgeschlossen, Verbesserungen sind angemerkt worden und wir stellen fest, dass viele davon inzwischen durchgeführt worden sind. So ist der geschlossene Bereich für die Chemikalien gebaut worden, Duschen zum Abduschen der Schutzkleidung nach dem Spritzen sind installiert und Schilder, die vor Gefahren, wie Stromdrähte, Wasserbecken oder Chemikalienlagerbereich warnen.
Vinecol – im Zertifizierungsprozess
Bei Vinecol sind die Arbeiter ganz überrascht als wir die Ausschüttung der Prämie ankündigen. „So schnell haben wir damit nicht gerechnet, sagt Romina Campos, Sekretärin des Organo Mixto, „ man sagt uns, dass würde dauern.“ Wir freuen uns, hier zu motivieren und Freude verbreiten zu können. Gleich gibt es viele Ideen, z.B. eine Brücke über die neugebaute Schnellstrasse zu bauen, Spenden fürs Gesundheitszentrum oder die Schule. Die Audition für die Zertifizierung ist für Anfang Januar angesetzt. Alfredo, Verwalter auf der Bodega, erzählt uns von den Schwierigkeiten, die Vinecol (und andere Bodegas) während der Erntezeit hat: Z.B. ist es schwierig zur Ernte Leute zu finden, die offiziell arbeiten wollen. Denn wer schwarz arbeitet, kann zusätzlich noch den Plan Trabajar, dem Equivalent des deutschen AGII einstreichen. Außerdem beteht in der Zeit der Schulferien das Problem, dass Kinder bei der Erntearbeit mithelfen. Ist so seit ewigen Zeiten und die Mütter, die sonst den Haushalt machen, haben auch keinen Ort, wo sie die Kinder lassen können, während sie arbeiten. Also kommen die Kinder mit. Die Kleinen sammeln nur mal hier und da die Trauben auf, die heruntergefallen sind, die größeren schneiden Trauben in die Körbe der Eltern mit hinein. Vinecol (und auch andere Bodegas) verbieten Kindern und Jugendlichen den Zutritt, aber eigentlich müsste für diese Zeit eine Kinderbetreuung eingerichtet werden. Bei Vinecol haben wir gleich zwei Mailkontakte mit den Arbeitern, Romina Campos, wie bereits erwähnt, Sekretärin des Organo Mixto und Nikolas, einen der Arbeiter im Bereich Abfüllung und Weinkeller. Nikolas ist jetzt schon Fair Wein Freund im Facebook und Romina hat sich bereit erklärt, all unsere Fragen an Ihre Kollegen weiterzuleiten und so mit uns in Verbindung zu bleiben.



