Fair Trade Weinreise Mendoza 2011 

(detalliert)

Unsere Weinreise nach Mendoza 2011 stand ganz unter dem Motto, welche Auswirkungen Fair Trade für die Menschen in Mendoza hat. Wir wollten wissen: Was verbessern die Fair Trade Richtlinien, was wurde mit den Prämien gemacht und wie ist die Entwicklung in den Bodegas, die noch im Zertifizierungsprozess sind? Zudem hatten wir 3280 € Prämie im Gepäck, die ausgezahlt werden sollten.Und dann wollten wir natürlich auch die neuen Jahrgänge probieren.

Inal/ Trivento
Finca Algarve
Furlotti
Finca La Celia
Alta Vista
Vinecol

Fotogalerie

 


Inal -Otra Vida (Trivento)

Noch mal zur Erinnerung: Trivento kauft seine Trauben für die Otra Vida Weine bei Inal ein. Dabei muss Trivento für jedes Kilo Trauben Prämien zahlen, umgerechnet 5 €-cent Prämie pro Flasche. Da wir entschieden haben, höhere Prämien zu zahlen, bringen wir bei jedem Besuch bei Inal die restliche Prämie von den verkauften Flaschen mit. Diesmal waren es gute 1500 US Dollar.

Auswirkungen durch die Fair Trade Reglementierungen:

Ein geregeltes Arbeitsverhältnis mit Krankenversicherung und unter Einhaltung von  Feiertagen und Ferien, feste Behausungen für die Saisonarbeiter, keine Schwarzarbeit und keine Mithilfe von Kindern während der Ernte sind wichtige Faktoren, die den Lebensstandard der Arbeiter und ihrer Familien in der ländlich geprägten Region von Lavalle, nordöstlich von Mendoza, verbessern.

Auswirkungen durch die Prämie
: Die Prämie ist das sichtbarste Element von Fair Trade für die Arbeiter, da hier direkt Geld in ihre Verantwortung übergeht und sie entscheiden können, wie sie es verwenden wollen.
Wir haben erlebt, dass sie mit  dieser Aufgabe wachsen. Viele der Arbeiter leben von der Hand in den Mund, ohne große Möglichkeiten für die Zukunft zu planen, zu sparen oder zu investieren.  Daher ist es oftmals eine ganz neue Erfahrung – und auch Herausforderung - Projekte zu entwickeln und durchzuführen, die sie selbst und ihre Familien voranbringen.
Dies haben wir vor ca. drei Jahren bei Inal erlebt, die Arbeiter planten eine Gesundheitsstation für die Gemeinde von 5000 Menschen. Leider ist im folgenden Jahr die Geschäftsbeziehung mit Trivento in die Brüche gegangen. Seit zwei Jahren werden keine Trauben mehr an Trivento verkauft. Daher sind wir die einzigen, die noch Prämien auszahlen. Das Kapital, das eigentlich für den Aufbau der Gesundheitszentrum genutzt werden sollte, schrumpft, denn den  Arbeitern werden  Medikamente für Ihre eigene Gesundheitsversorgung bezahlt (Anmerkung: nur 40% übernimmt die Krankenkasse und Familienangehörige sind nicht mitversichert) und Stipendien vergeben. Die Motivation der Arbeiter ist gedämpft, die meisten haben die Hoffnung verloren, dass sie das Gesundheitszentrum bauen können.
Jetzt steht der Jahresabschluss bevor und Präsident des Organo Mixtos ( dem Fair Trade -Projektausschuss) Chavez und die Sekretärin Luisa kämpfen mit der Abrechnung. Alles ist in den Büchern handschriftlich vermerkt, aber es fehlen die Kenntnisse, wie man daraus den Jahresabschluss macht. Nicht alle haben ordnungsgemäß alle ihre Ausgaben in Rechnungen dokumentiert. Manchmal haben die Stipendiaten Bücher und Bustickets gekauft und nicht die Rechnungen angefordert bzw. die Tickets aufgehoben. Chavez erklärt: „Es fällt uns nicht leicht die Formalien zu erfüllen, Fehler passieren nicht aus Böswilligkeit, sondern wohl eher, weil uns die Ausbildung dafür fehlt. - Hätte ich einen Wunsch frei, würde ich um mehr Unterstützung durch Flo Cert bitten und um weniger Regeln. Könnten Sie nicht bei der nächsten Inspektion jemanden schicken, der was von Buchhaltung versteht und uns helfen kann?“
Die  großen Bodegas können das besser handhaben, denn die Verantwortlichen für Personal übernehmen diese  wichtige Aufgabe, die Arbeiter für die  Aufgaben, die mit der Verwaltung der Projektgelder auf sie zukommen, ausreichend zu schulen. In den kleinen Bodegas fehlen hierfür die personellen, zeitlichen und manchmal auch finanziellen Ressourcen.
Wie der Fall von Trivento zeigt, ist es vielleicht auch ein Problem, dass sich die Arbeiter schnell an die Unterstützung (.z.B. die Medikamente) gewöhnen, wenn sie selber nichts als Eigenanteil einbringen müssen, und das Gefühl haben, das nichts vorangeht. Daher wären vielleicht eher Projekte sinnvoller, aus denen sich entweder neue Eingaben generieren lassen oder die den Arbeitern neue Fähigkeiten vermitteln, und nicht nur Zahlungen, die  Ausgaben der Arbeiter decken. Leider fehlen im Alltag oftmals die Zeit für diese strategischen Fragen und evtl. auch die Erfahrung mit sozialen Projekten, deren Durchführung und Auswirkungen.  Und so fällt Fair Trade schwer, die Arbeiter verlieren die Motivation, engagieren sich wenig und die Chefs sind enttäuscht über das fehlende Engagement.
Bei Inal versucht der Präsident Chavez die Moral aufrecht zu halten, aber zwei Jahre ohne Prämie hinterlassen ihre Spuren. Zudem hat Inal dreimal schlechte Erfahrungen mit den Fair Trade Partnern gemacht. Die erste Kooperative Medrano ( jetzt Fair Hills) ist bankrott gegangen und hat mitten in der Ernte Trauben nicht abgenommen und nicht bezahlt. Die zweite Kooperative mit denen Inal arbetete, hat die Prämien nicht vollständig ausgezahlt, und Trivento hat Prämienzahlungen über Monate verschleppt. So zerstritt man sich auch mit Trivento. (Anmerkung : so ist es uns von den Arbeitern, Teresa und Gonzalo Lupiano erzählt worden, Angaben ohne Gewähr).
Abnehmer ihrer Trauben über Jahre hinweg, ganz im Sinne des fairen Handels ;-) ist eine Kooperative, die allerdings nicht Fair Trade zertifiziert ist. Da die Kosten für eine Zertifizierung für argentinische Verhältnisse hoch sind, wissen wir nicht, ob für diese Kooperative die Zertifizierung in Frage kommt, aber vielleicht ja doch – dann könnte Inal vielleicht doch noch ihre Gesundheitsstation bauen? Wir werden es versuchen. Vorerst unterstützen wir weiterhin mit dem Otra Vida 2009 die Arbeiter von Inal. Bei Ihrer Gesundheitsversorgung und der Ausbildung der Kinder.



Cinco Sentidos – im Zertifizierungsprozess

Finca Algarve, Cinco Sentidos, ist zugleich unser ganzer Stolz – denn die Weine sind toll - und unser Sorgenkind zugleich. Die Finca ist in Familienbesitz, Manuel Valdez macht den Verkauf, Horacio Moi ist der Patron, also der Chef auf der Bodega. Und da gibt es immer viel zu tun, und die vielen technischen Details im Regelwerk von Flo Cert, manche durchaus sinnvoll, andere wiederum vielleicht nicht ganz so sinnvoll für kleine Bodegas, sind nicht so einfach zu erfüllen und erschlagen in ihrer Fülle. So wird vieles von heute auf morgen und auf übermorgen verschoben.
Dazu muss man aber auch sagen, dass in dieser Bodega, wie auch bei Vinecol einem weiteren Weingut, dass derzeit zertifiziert, die Arbeitsbedingungen gut sind, die Arbeiter seit langem bei der Bodega arbeiten und im Großen und Ganzen sehr zufrieden sind, so zumindest ergaben es die Gespräche.
Die Erste Evaluation durch Flo Cert ist abgeschlossen, Verbesserungen sind angemerkt worden und wir stellen fest, dass viele davon inzwischen durchgeführt worden sind. So ist der geschlossene Bereich für die Chemikalien gebaut worden, Duschen zum Abduschen der Schutzkleidung nach dem Spritzen sind installiert und Schilder, die vor Gefahren, wie Stromdrähte, Wasserbecken oder Chemikalienlagerbereich warnen.
Schwieriger umzusetzen als die Verbesserungen in der Infrastruktur, sind die Punkte, wo die Arbeiter selber zu Ihrer Sicherheit beitragen müssen. Z.B. der richtige Einsatz der Schutzkleidung (Man kann sich leicht vorstellen, dass Schutzanzüge fürs Spritzen oder Handschuhe fürs Rebenschneiden bei 40 Grad Hitze sind nicht sehr angenehm sind).  Horacio berichtet, dass sie seit vielen Jahren keine Unfälle haben, und das es aber auch eben aus diesem erfreulichen Grund ziemlich schwer fällt, den Arbeitern zu erklären, dass die von Flo Cert vorgeschriebenen Änderungen für mehr Sicherheit in Ihrem Sinne sind. Er hat inzwischen mit dem Ingenieur, der die Fortbildungen für Arbeitssicherheit macht, viel darüber geredet, wie wichtig es ist, dass die Arbeiter sich einbringen, den Sinn verstehen und die Maßnahmen annehmen, und dafür ruhig weniger Stoff durchgenommen werden darf. Horacio hofft, dass dadurch die Arbeiter die Sicherheitsrichtlinien einhalten und er nicht mit Strafen auf deren Einhaltung pochen muss.
Weitere Punkte waren eine Anpassung der Löhne, nach Anzahl der Jahre, die schon auf der Finca gearbeitet wurde_. Dieser Punkt, der mich zuerst empörte, war bei näherer Betrachtung sehr leicht zu lösen:Wie mir Horacio aufzeigte, beträgt der Unterschied in den Löhnen umgerechnet ca. 30 Cent pro Stunde. Bisher wurde allen Arbeiter der Lohn gezahlt, der einem Arbeitsverhältnis von 8 Jahren entspricht. Den zwei Arbeitern, die schon seit mehr als 8 Jahren auf der Bodega arbeiten, wurde jetzt der Lohn angehoben (Anmerkung des Autors: Den Arbeitern, die kürzer als 8 Jahre arbeiten, wurde nicht der Lohn gekürzt ;-) )*

Die Arbeiter nehmen all diese Veränderungen wahr, für sie ist aber der hauptsächliche Faktor, wo sie Vorzüge für sich sehen, nämlich die Prämie. Die Erste Prämienausschüttung von 9000 Pesos (2002 US$), die wir mitbringen, motiviert also entsprechend !!! Sie macht Fair Trade sichtbar, real  und glaubwürdig! Gleich sprudeln Ideen für die Verwendung der Prämie.

Sowohl bei Cinco Sentidos, wie auch bei Vinecol, einem weiteren Weingut,das derzeit im Zertifzierungsprozess ist, fällt uns auf, dass anhand des sehr detaillierten Regelwerkes von Flo Cert sehr viel Technisches zu regeln ist, und dass damit der Punkt Empowerment des Personals ein wenig untergeht. Wie wir in diesen Tagen feststellen, findet dies am ehesten in den großen Bodegas statt. Bei den kleinen gibt es niemanden, der die Ausbildung dazu hätte. Damit bleibt in den kleinen Bodegas leider, auch wenn es ansonsten keine großen Missstände und einen relativ familiären Umgang gibt, die Asymetrie zwischen Patron  und ungebildeten Arbeitern bestehen.
Nach all diesen Gesprächen haben wir das Gefühl, dass hier vielleicht regional etwas stattfinden müsste, Fortbildungen in Form von Workshops, Austausch zwischen den Arbeitern...Wir werden mit Pablo Ordonez von El Arca sprechen, einer Organisation, die Kleinstproduzenten beim Verkauf unterstützt, um mit den Arbeitern Projekte auf die Beine zu stellen, die ihnen weitere Einkommen generieren. Vielleicht lässt sich da etwas organisieren. Wir werden berichten.

* Es bleiben darüber hinaus noch einige Details zu regeln. Einiges ist ganz einfach, sind einfache Formalien, wie z.B., dass offiziell die Gründung des Organo Mixtos, welches bereits zu mehreren Versammlungen zusammengekommen ist,  beglaubigt wird oder dass derjenige, der die Fortbildungen zu Arbeitssicherheit durchführt auch offiziell zum Gesundheits- und Sicherheitsverantwortlichen der Firma ernannt wird. Andere Sachen verlangen die Rücksprache mit Flo Cert: Ist z.B. ein Erste Hilfe Kurs vonnöten, wenn gleich nebenan, die Erste Hilfe Station des Dorfes ist? So oder so, unsere nächste Bestellung geben wir erst auf, wenn die Zertifizierung durch ist!

 

Furlotti

Am ersten Tag haben wir den Keller von Furlotti besucht und waren danach mit Maria Laura Bardotti und Marc Weiss bei einem der Winzer zu Besuch. Über den Nachmittag hinweg haben wir uns die Neugikeiten des Jahres 2011 berichten lassen, unter anderen auch die Verwendung der Prämien. 

Auswirkungen der Fair Trade Reglementation für kleine Produzenten
Inzwischen ist der Mindestpreis von FloCert in Argentinien nicht mehr von großer Bedeutung, denn die Preise für die Trauben sind in den letzten zwei Jahren je um 100% gestiegen. Der Mindestpreis ist hauptsächlich eine Versicherung, falls eine Krise auftritt und der Preis unerwarteterweise dramatisch fällt. Die wichtigen Faktoren für die Produzenten sind die rechtzeitige Bezahlung und die regelmäßige Abnahme von Trauben. Immer wieder berichten die Traubenproduzenten  über  schlechte Erfahrungen mit den großen Bodegas und sind glücklich jetzt eine geregelte  Abnahme ihrer Trauben zu haben. Im Laufe des Nachmittags erfahren wir auch, dass die fachliche Beratung von Maria Laura, Agraringenieurin, für viele der kleinen Winzer von großer Wichtigkeit ist, da sie zum ersten Mal diese Art der Begleitung der Arbeit erfahren.

Verwendung der Prämien – Beispiele
Die Prämie, die der Kooperative Vinas de la Solidaridad, kurz Vinasol gezahlt wird, wird unter den Mitgliedern aufgeteilt und kann von jedem nach eigenem Bedarf benutzt werden. Die Produzenten von Vinasol haben aber miteinander vereinbart, dass für alle Arbeitskleidung und Energiesparlampen gekauft werden und dass es einen Notfallfond gibt, über dessen Verwendung gemeinsam entschieden wird.
Dieses Jahr schauen wir bei unserem Besuch von Furlotti bei Miguel und Marta Bordognon vorbei. Im Jahr 2010 wurde Ihnen mit dem Notfallfond ein Maultier gekauft. Sein vorheriges Maultier ist gestohlen wurde. Damit fehlte nicht nur ein Arbeitswerkzeug und eine liebgewonne Gefährtin,  sondern der Diebstahl führte bei Miguel auch zu einer großen Frustation. Daher entschieden die Produzenten von Vinasol, ihm ein neues Maultier zu schenken. Jetzt hilft das Maultier Gauchito Miguel und seiner Frau Marta bei der Arbeit und die erfahrenen Solidarität hat dazu beigetragen, dass beide wieder an das Gute im Menschen glauben und auch wieder motiviert sind in ihren Weinbergen zu arbeiten. Und so haben wir sie erlebt, glücklich mit Vinasol zusammenzuarbeiten und voller Pläne für die Zukunft.
Die Prämie von den Trauben 2010 haben beide für Stöcke für die Reben, Futter für das Maultier und den Ausbau eines Schuppens investiert, wo sie ihre Werkzeuge und Chemikalien lagern können, so dass diese nicht im Türbereich des Hauses abgestellt werden müssen.

Notfall-Prämien-Auschüttung im Jahr 2011: Operation für Oscar. Oscar Bordognon hatte einen Tumor an der Niere. Um diesen Tumor zu operieren, ist die Notfall-Prämie 2011 ausgezahlt worden. Der Tumor hätte auch in einem öffentlichen Krankenhaus umsonst operiert werden können, allerdings gab es eine lange Warteliste und das war der Haken an der Sache, keiner konnte sagen, ob in dieser Zeit der Tumor nicht so groß geworden wäre, dass er nicht mehr operiert werden könnte. Daher wurden 9.000 Pesos für die Operation ausgezahlt. Oscar geht es inzwischen sehr gut und er kann bald schon wieder arbeiten.

Weitere Verwendung der Prämien im Jahre 2011: Spende an Schule: Die Schule der Kinder von Antonio Torres erhiehlt eine Spende von 4000 Pesos. Mit diesem Geld wurde die Bibliothek repariert und außerdem ein neuer Fotokopierer gekauft.

Leider haben wir eine sehr traurige Nachricht. Antonio Torres ist dieses Jahr an einer Fraktion in der Lunge gestorben. Seine Frau arbeitet weiter auf dem Weinberg, sie ist damit eine der ersten weiblichen „Contratistas“. Die Arbeit hilft etwas mit dem Verlust umzugehen.

 

Finca La Celia – demnächst im Programm - gerade zertifiziert

Finca la Celia hatten wir vor drei Jahren das erste Mal besucht und dort Fair Trade vorgestellt. Lange haben wir nichts von Finca la Celia gehört, bis wir dann auf der ProWein German Frenk getroffen haben, der uns von der Zertifikation berichtete. Begeistert haben wir also bei diesem Mendoza Besuch einen Abstecher ins Uco-Valley eingeplant.
Wir wurden sehr nett empfangen, alles ist wirklich ganz wunderbar gestaltet, denn wie bei vielen Bodegas, werden auch hier Touristen empfangen und bewirtet. Als erstes werden uns die sozialen Projekte vorgestellt, die unabhängig von Fair Trade schon laufen. Besonders hervorzuheben ist hier der Kindergarten für das ganze Dorf. Erst sollte es nur ein betriebseigener Kindergarten werden, aber als Marcelo, Direktor von Finca la Celia hörte, dass z.T. Vierjährige auf Ihre kleinen Geschwister aufpassen, beschloss er den Kindergarten für alle Kinder aus der Gegend zu öffnen.
Außerdem stellt Finca la Celia das Büro und das Gehalt für eine feste Stelle für die Banco de Alimentos, d.h. einer Organisation, die dafür sorgt, dass Lebensmittelspenden ihren Zielort, also Gemeindezentren, Suppenküchen etc. erreichen.
Wir sprechen mit Diana, die die Beauftragte für Fair Trade ist – und mit der wir auch schon vor drei Jahre gesprochen haben – und Yvan und Miriam. Yvan ist der junge Präsident des Organo Mixto und Miriam die Gewerkschaftssprecherin. Yvan erzählt, dass seit der Zertifizierung viele Arbeiter der Gewerkschaft beigetreten sind und dadurch Miriam, die jetzt Gewerkschaftsprecherin ist, viel besser für die Anliegen der Arbeiter eintreten kann. Miriam selbst berichtet, dass sie schriftlich die Vorschläge der Arbeiter annimmt, z.B zur Verbesserung von Arbeitsprozessen, und dann weitergibt. Sie sagt, die Kommunikation habe sich deutlich gebessert und die Distanz zwischen Management und Arbeitern habe sich verringert. Alle sind zuversichtlich und warten ungeduldig auf  die Erste Prämie von 1500 US$ durch den Verkauf nach Belgien.

 

Alta Vista – demnächst im Programm - gerade zertifiziert

Bei Alta Vista kommen wir gegen Mittag bei strahlenden Sonne an und es ist wie ein nachhause Kommen. Hier hat vor vier Jahren alles angefangen: Wir haben hier bei unserem zweiten Besuch in Argentinien diskutiert, wie man über den Verkauf von Wein Entwicklungsmöglichkeiten in Mendoza schaffen kann. Haben über die sozialen Ungerechtigkeiten und über die Verkaufsmöglichkeiten in Europa gesprochen. Hier ist der der Gedanke, Soziales und Wein zu verbinden, geboren worden. Um so zufriedener waren wir als vor ca. eineinhalb Jahren Alta Vista endlich beschloss auch zu zertifizieren. Vor einem guten Jahr war ich zu Besuch und gerade war das Organo Mixto gewählt. Auf eine der ersten Versammlungen war ich mit dabei und stellte unsere Firma Fair Wein als den deutschen Importeur der Fair Trade Weine vor. Eigentlich hatten wir erwartet, dass kurz danach die Zertifzierung stattfinden würde, aber wir mussten uns noch fast ein Jahr in Geduld üben. Natürlich waren wir neugierig, warum es so lange gedauert hat.
Pablo, der zusammen mit Mariela Fair Trade Verantwortlicher ist,  erzählt, dass für Flo Cert  Alta Vista ein ganz neuer Fall war. Alta Vista ist nicht nur Produzent, sondern auch Trader und gleichzeitig noch Lizenznehmer. Das passt nicht ins Format, also musste das Format angepasst werden. Das Gute an der Sache ist, dass jetzt Alta Vista zu den Vorreitern gehört und eine Protagonistenrolle bei der Verbesserung der Standards spielen soll. Flo Cert plant einen runden Tisch der Produzenten einzurichten, um die Richtlinien an die argentinischen Bedürfnisse anzupassen.
Auch wenn jetzt Alta Vista zertifiziert ist, können wir noch keinen Wein anbieten, da die Fair Trade Linie Monte Flores dieses Jahr schon ausverkauft ist – nach England. Damit sind die Ziele für das erste Jahr übertroffen: 200.000 Flaschen sollten verkauft werden, 250.000 sind effektiv verkauft worden. Erst im März können wir Weine bestellen und werden das auch tun!!!
Mariela erzäht über den Fair Trade Prozess, dass die Arbeiter sehr motiviert sind, die ersten Ideen wie die Prämie eingesetzt wird, sind schon im Umlauf. Die Kommunikation innerhalb der Belegschaft hat sich verbessert, die Leute von den verschiedenen Fincas reden mehr miteinander.
Mariela erzählt, dass sie Fotos gemacht haben, als der erste Container herausging: „Die Arbeiter , die für die Abfüllung arbeiten, sehen es ja, aber die anderen... Also haben wir Fotos gemacht und dann allen gezeigt, so dass alle Bescheid wussten, jetzt wird Fair Trade verkauft, jetzt ist der erste Container herausgegangen. Das war ganz schön bewegend. Jetzt vor Weihnachten wollen wir noch einen Fair Trade Tag machen. Damit wir wieder auffrischen, was Fair Trade bedeutet, und dann nach der Ernte über die Verwendung der ersten Prämie entscheiden können. Doch, wir sind sehr zufrieden.“
Was uns auffällt und gefällt ist der zwanglose Umgang der Arbeiter mit Mariela, das Selbstbewusste Auftreten der Arbeiter, die Zugehörigkeit zu der Bodega und der Stolz der Arbeiter auf die Weine von Alta Vista. Wir sind gespannt und freuen uns sehr auf den ersten Monte Flores! Wer weiß vielleicht wird das ja auch der erste Fair Trade Wein mit Parker Punkten. Immerhin gehört Alta Vista zu den besten fünf Bodegas Argentinien.

 

Vinecol – im Zertifizierungsprozess

Bei Vinecol sind die Arbeiter ganz überrascht als wir die Ausschüttung der Prämie ankündigen. „So schnell haben wir damit nicht gerechnet, sagt Romina Campos, Sekretärin des Organo Mixto, „ man sagt uns, dass würde dauern.“ Wir freuen uns, hier zu motivieren und Freude verbreiten zu können. Gleich gibt es viele Ideen, z.B. eine Brücke über die neugebaute Schnellstrasse zu bauen, Spenden fürs Gesundheitszentrum oder die Schule... Mal sehen, wofür die Arbeiter sich entscheiden.
Im Prozess der Fair Trade Zertifzierung haben Fortbildungen zu den Arbeiten in den Reben stattgefunden und Fortbildungen zur Arbeitssicherheit.
Die Audition für die Zertifizierung ist für Anfang Januar angesetzt.

Alfredo, Verwalter auf der Bodega, erzählt uns von den Schwierigkeiten, die Vinecol (und andere Bodegas) während der Erntezeit hat: Z.B. ist es schwierig zur Ernte Leute zu finden, die offiziell arbeiten wollen. Denn wer schwarz arbeitet, kann zusätzlich noch den Plan Trabajar, dem Equivalent des deutschen AGII einstreichen. Schwarzarbeit ist aber mit Fair Trade nicht vereinbar. Denn so ist es ja im Sinne des Arbeiters, der dadurch seine Rechte gewährleistet hat und versichert ist. Hier ist noch viel Bildungsarbeit notwendig.
Außerdem beteht in der Zeit der Schulferien das Problem, dass Kinder bei der Erntearbeit mithelfen. Ist so seit ewigen Zeiten und die Mütter, die sonst den Haushalt machen, haben auch keinen Ort, wo sie die Kinder lassen können, während sie arbeiten. Also kommen die Kinder mit. Die Kleinen sammeln nur mal hier und da die Trauben auf, die heruntergefallen sind, die größeren schneiden Trauben in die Körbe der Eltern mit hinein. Vinecol (und auch andere Bodegas) verbieten Kindern und Jugendlichen den Zutritt, aber eigentlich müsste für diese Zeit eine Kinderbetreuung eingerichtet werden. Das ist natürlich nicht so einfach. Mit Pablo Dessel, Juniorchef von Vinecol, haben wir diskutiert, ob man hier vielleicht mit der Gemeinde von La Paz, wo Vinecol seinen Sitz hatt, zusammenarbeiten kann? Vielleicht kann ja der Gemeindekindergarten für diese Woche geöffnet werden und von den Bodegas bezahlt werden? Ganz im Gegensatz dazu wie es noch vor einigen Jahren war, als die Schule erst später wieder anfing, damit die Kinder noch beim Ernten helfen konnten.
Bei Vinecol haben wir gleich zwei Mailkontakte mit den Arbeitern, Romina Campos, wie bereits erwähnt, Sekretärin des Organo Mixto und Nikolas, einen der Arbeiter im Bereich Abfüllung und Weinkeller. Nikolas ist jetzt schon Fair Wein Freund im Facebook und Romina hat sich bereit erklärt, all unsere Fragen an Ihre Kollegen weiterzuleiten und so mit uns in Verbindung zu bleiben.

 

 

 

 

 

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